Angesichts eines erneut dro­hen­den harten Lock­downs ab Mitte kom­mender Woche, soll­ten Unternehmen sich frühzeit­ig mit dem The­ma Kurzarbeit­ergeld auseinan­der­set­zen. Um die Belas­tun­gen der Coro­na-Pan­demie für Arbeit­nehmer und Arbeit­ge­ber abzufed­ern, hat das Bun­desk­abi­nett bere­its Anfang Herb­st die Ver­längerung des erle­ichterten Zugangs zum Kurzarbeit­ergeld beschlossen. Zudem wur­den Anreize geschaf­fen, die Zeit der Kurzarbeit in Weit­er­bil­dung zu investieren. 

Die Agen­tur für Arbeit zahlt das Kurzarbeit­ergeld als teil­weisen Ersatz für den durch einen vorüberge­hen­den Arbeit­saus­fall ent­fal­l­enen Lohn. Durch diese Ent­las­tung wird es Unternehmen erle­ichtert, ihre Arbeit­nehmerin­nen und Arbeit­nehmer weit­er zu beschäfti­gen. Durch Kurzarbeit kön­nen Kündi­gun­gen häu­fig ver­mieden werden.

Zusam­menge­fasst: die Bun­desregierung hat das Kurzarbeit­ergeld erhöht und die Bezugs­dauer ver­längert — so sollen Kündi­gun­gen ver­mieden werden. 

Vere­in­fachter Zugang

  • Ein Betrieb kann bere­its Kurzarbeit anmelden, wenn min­destens zehn Prozent der Beschäftigten in der Fir­ma von einem Arbeit­saus­fall von über zehn Prozent betrof­fen sind. Nor­maler­weise liegt diese Schwelle bei einem Drit­tel der Belegschaft.
  • Auf den Auf­bau neg­a­tiv­er Arbeit­szeit­salden vor Zahlung des Kurzarbeit­ergeldes wird weit­er­hin voll­ständig verzichtet. Vor der Pan­demie galt die Regel, dass Betriebe mit Vere­in­barun­gen zu Arbeit­szeitschwankun­gen diese auch nutzen müssen, um Kurzarbeit zu vermeiden.
  • Auch Lei­har­beit­nehmerin­nen und Lei­har­beit­nehmer kön­nen Kurzarbeit­ergeld beziehen.

Ent­las­tun­gen

  • Die voll­ständi­ge Erstat­tung der Sozialver­sicherungs­beiträge während der Kurzarbeit soll bis 30.12.2021 ver­längert wer­den. Vom 01.07.2021 bis 31.12.2021 wer­den die Sozialver­sicherungs­beiträge zu 50% erstat­tet, wenn mit der Kurzarbeit bis 30.12.2021 begonnen wurde.

Ver­längerte Bezugsdauer

  • Die Bezugs­dauer für das Kurzarbeit­ergeld soll für Betriebe, die mit der Kurzarbeit bis zum 31.12.2020 begonnen haben, auf bis zu 24 Monate, läng­stens bis zum 31.12.2021, ver­längert werden.

Erhöht­es Kurzarbeitergeld

  • Beschäftigte, deren Arbeit­sent­gelt um min­destens die Hälfte reduziert ist, kön­nen weit­er­hin vom erhöht­en Kurzarbeit­ergeld prof­i­tieren. Ab dem vierten Monat des Bezugs wird das Kurzarbeit­ergeld auf 70 (beziehungsweise 77% für Beschäftigte mit min­destens einem Kind) und ab dem siebten Monat auf 80 (beziehungsweise 87% für Beschäftigte mit min­destens einem Kind) aufge­stockt. Die Berück­sich­ti­gung der Bezugsmonate von Kurzarbeit­ergeld gilt seit dem 01.03.2020.

Hinzu­ver­di­enst möglich

  • Für während der Kurzarbeit aufgenommene Nebenbeschäf­ti­gun­gen wird die voll­ständi­ge Anrech­nung des Ent­gelts auf das Kurzarbeit­ergeld befris­tet bis zum 31.12.2020 ausgesetzt.
  • Die beste­hen­den befris­teten Hinzu­ver­di­en­stregelun­gen sollen insoweit bis 31.12.2021 ver­längert wer­den, als dass Ent­gelt aus ein­er während der Kurzarbeit aufgenomme­nen ger­ingfügig ent­lohn­ten Beschäf­ti­gung anrech­nungs­frei bleibt.

Beru­fliche Weiterbildung

  • Zeit­en des Arbeit­saus­falls sollen für eine beru­fliche Weit­er­bil­dung genutzt wer­den. Für diese Fälle wird die reg­uläre Erstat­tung von 50 % der Sozialver­sicherungs­beiträge vor­erst nicht mehr daran geknüpft, dass die Qual­i­fizierung min­destens 50% der Zeit des Arbeit­saus­falls betra­gen muss.

Achtung: Ger­ingfügig Beschäftige kön­nen kein Kurzarbeit­ergeld erhal­ten, da sie nicht beitragspflichtig zur Arbeit­slosen­ver­sicherung sind.

Vor­gang

Kurzarbeit wird vom Arbeit­ge­ber angezeigt und beantragt. Die Beschäftigten eines Betriebes müssen nicht selb­st aktiv werden.

Die Höhe des Kurzarbeit­ergelds hängt vom Gehalt ab, das Sie nor­maler­weise nach Abzug von Steuern und Sozial­ab­gaben aus­gezahlt bekom­men (soge­nan­ntes Net­toent­gelt). Davon wer­den 60 % des aus­ge­fal­l­enen Net­toent­gelts bezahlt. Lebt min­destens ein Kind mit im Haushalt, beträgt das Kurzarbeit­ergeld 67 % des aus­ge­fal­l­enen Nettoentgelts.

Im Zuge der Coro­na-Pan­demie hat die Bun­desregierung das Kurzarbeit­ergeld erhöht. Diese Regelung wird bis zum 31.12.2021 für alle Beschäftigten ver­längert, deren Anspruch auf diese Leis­tung bis zum 31.03.2021 ent­standen ist. Im Einzel­nen steigt das Kurzarbeitergeld:

  • Ab dem vierten Bezugsmonat auf 70% des aus­ge­fal­l­enen Net­toent­gelts (beziehungsweise 77 %, bei min­destens einem Kind im Haushalt).
  • Ab dem siebtem Bezugsmonat auf 80% des aus­ge­fal­l­enen Net­toent­gelts (beziehungsweise 87 %, bei min­destens einem Kind im Haushalt).

Die Bezugsmonate müssen dabei nicht zusam­men­hän­gen. Das bedeutet: Unter­brechun­gen der Kurzarbeit (auch über drei Monate) wirken sich  nicht auf die Höhe des Kurzarbeit­ergeldes aus. Sofern Sie Sai­son-Kurzarbeit­ergeld erhal­ten, zählt auch diese Leis­tung. Erhal­ten Sie dage­gen in einem Monat lediglich Kranken­geld in Höhe von Kurzarbeit­ergeld, so wird dieser Monat nicht berücksichtigt.

Die Bezugs­dauer für das Kurzarbeit­ergeld wird für Fir­men, die mit der Kurzarbeit bis zum 31.12.2020 begonnen haben, auf bis zu 24 Monate ver­längert, läng­stens bis zum 31.12.2021.

Die Bezugs­dauer kann aber auch unter­brochen wer­den. Ist bei Ihrem Arbeit­ge­ber zum Beispiel kurzfristig ein größer­er Auf­trag zu bear­beit­en, kann er Sie vorüberge­hend wieder voll beschäfti­gen. Erhal­ten Sie anschließend wieder Kurzarbeit­ergeld, wird die Bezugs­dauer um diesen Zeitraum verlängert.

Ist die Kurzarbeit hinge­gen länger als drei Monate unter­brochen, hat sich die Bezugs­dauer des Kurzarbeit­ergeldes erneuert. Muss Ihr Arbeit­ge­ber Ihre regelmäßige Arbeit­szeit anschließend wieder kürzen, haben Sie erneut Anspruch auf max­i­mal 24 Monate Kurzarbeitergeld.

  1. Kurzarbeit anzeigen

Informieren Sie Ihre zuständi­ge Agen­tur für Arbeit darüber, dass in Ihrem Betrieb Kurzarbeit notwendig ist. Füllen Sie dafür das PDF „Anzeigen eines Arbeit­saus­falls“ aus und unter­schreiben Sie es.

Weit­ere Infos unter „Kurzarbeit­ergeld – Teil 2: Ver­fahren“.

Wird nach 3 Monat­en oder mehr wieder Kurzarbeit erforder­lich, müssen die Fir­men den Arbeit­saus­fall erneut anzeigen. Siehe auch FAQ zum Kurzarbeit­ergeld der Agentur.

  1. Bewil­li­gung Anzeige

Die Agen­tur für Arbeit prüft die Anzeige. Hat sie fest­gestellt, dass eine Fir­ma die Voraus­set­zun­gen erfüllt, kann jeden Monat Kurzarbeit­ergeld beantragt werden.

  1. Gehäl­ter zahlen

Eine Fir­ma zahlt jeden Monat sowohl das Arbeit­sent­gelt für geleis­tete Arbeitsstun­den als auch das Kurzarbeit­ergeld an Ihre Beschäftigten aus.

  1. Antrag stellen

Sie beantra­gen jeden Monat die Erstat­tung des Kurzarbeit­ergeldes: Füllen Sie die Abrech­nungsliste und den Antrag aus, unter­schreiben Sie den Antrag und senden Sie bei­de Doku­mente an Ihre Arbeitsagentur.

Bis zum 31.12.2020 kön­nen Unternehmen statt des Antrages auch den Kurz-Antrag verwenden.

  1. Bewil­li­gung Antrag

Die Agen­tur für Arbeit prüft Ihren Antrag. Hat sie fest­gestellt, dass Sie die Voraus­set­zun­gen erfüllen, wird das Kurzarbeit­ergeld an Sie ausgezahlt.

Die Agen­tur für Arbeit zahlt das Kurzarbeit­ergeld rück­wirk­end für den ver­gan­genen Monat aus.

Alle Infos auch unter: http://www.arbeitsagentur.de/m/corona-kurzarbeit/