Seit dem 04. Juli 2007 müssen Unternehmen ihre Käl­tean­la­gen regelmäßig auf Dichtheit über­prüfen lassen. Dies schreibt die am 14. Juni 2006 in Kraft getretene EU-Verord­nung über flu­o­ri­erte Treib­haus­gase vor.

Seit 2012 wird auf europäis­ch­er Ebene an ein­er Nov­el­lierung der Verord­nung gear­beit­et. Hier erhal­ten Sie eine Über­sicht bzw. Erläuterun­gen zum momen­tan güti­gen Recht sowie über die für 2015 vorge­se­hene Novellierung.

Geplante Änderun­gen der F‑Gas-Verord­nung

Die EU-Kom­mis­sion hat im Novem­ber 2012 einen Vorschlag zur Über­ar­beitung der Verord­nung über flu­o­ri­erte Treib­haus­gase, soge­nan­nte F‑Gase vorgelegt. Somit soll die F‑Gas-Verord­nung Nr. 842/203 zum 01.01.2014 durch eine Verord­nung des Europäis­chen Par­la­ments und des Rates über flu­o­ri­erte Treib­haus­gase erset­zt wer­den. EU-Par­la­ment und die Mit­glieder­staat­en müssen dem Vorschlag noch zus­tim­men. Mit der Über­ar­beitung möchte man in der EU das Erre­ichen vere­in­barter Kli­maziele beschle­u­ni­gen. Dabei geht es um die Ver­ringerung der Gase bis ins Jahr 2050 hinein.

Bei den F‑Gasen han­delt es sich um Indus­tr­ie­gase, welche zwar nicht so schädlich sind wie FCKW, aber zu den „treib­hauswirk­samen“ Luftschad­stof­fen zählen. Sie kön­nen bis weit über 100 Jahre in der Atmo­sphäre ver­weilen. F‑Gase wer­den über­wiegend als Käl­temit­tel in Kühl- und Gefrier­an­la­gen oder Klim­ageräten einge­set­zt. Sie find­en aber auch Ver­wen­dung in der Kun­st- und Schaum­stoffind­us­trie und als Treib­mit­tel, zumeist in geschlosse­nen Sys­te­men. Denn gefährlich wer­den sie erst bei ihrer Freiset­zung. Unter diese Verord­nung fall­en somit die Löschmit­tel HFC-227ea und HFC-23 sowie das Käl­temit­tel R404A. Alle drei sind HFK­Ws. Wohinge­gen das Käl­temit­tel R22 (Chlordi­flu­o­rmethan) ein HFCKW ist und damit nicht unter diese Verord­nung fällt.

F‑Gase wur­den als Ersatz für FCKW einge­führt. Bere­its 2006 ist die Verord­nung (EG) Nr. 842/2006 über bes­timmte flu­o­ri­erte Treib­haus­gase in Kraft getreten. Im Jahr 2008 wurde sie in nationales Recht in Form der Chemikalien-Kli­maschutz-Verord­nung (ChemK­li­maschutzV) umge­set­zt. Als Ergänzung zur Verord­nung 842/2006. Aber wobei geht es hier grund­sät­zlich? Und ist die geplante Änderung über­haupt branchenüber­greifend relevant?

Bei der geplanten Neu­fas­sung geht es um die schrit­tweise Reduzierung treib­hauss­chädlich­er F‑Gase von kom­merziellen und indus­triellen Kühlgeräten. Damit ist der Kern der über­ar­beit­eten Verord­nung schon im Wesentlichen beschrieben. Somit regelt die beste­hende als auch die über­ar­beit­ete Verord­nung eine Emis­sion­sre­duzierung, die Ver­wen­dung und Rück­gewin­nung sowie die Zer­störung von bes­timmten flu­o­ri­erten Treib­haus­gasen. Weit­er­hin bezieht die EU-Verord­nung Stel­lung bezüglich der Kennze­ich­nungspflicht sowie der Entsorgung von Erzeug­nis­sen und Geräten, welche mit F‑Gasen betrieben wer­den oder diese enthalten.

Konkreter wird die Neu­fas­sung bei kün­fti­gen Neugeräten. Diese müssen auf flu­o­ri­erte Gase verzicht­en. Auch find­en sich dort Ver­botsvorschriften und Vor­gaben für die Aus­bil­dung und Zer­ti­fizierung von Per­son­al und Unternehmen, wie z.B. der Kli­ma- oder Ser­vicetech­niker, der Wartung und Mon­tage an mit F‑Gas betriebe­nen Geräten aus­führt. Auch die jährliche Kon­trolle solch­er Geräte und Anla­gen ist geregelt.

Das erste große Etap­pen­ziel im Jahr 2030 soll bere­its im Jahr 2015 ein­geläutet wer­den. Im Zuge der schrit­tweisen Ver­ringerung der ver­füg­baren F‑Gase soll ab diesen Zeit­punkt die auf dem Markt befind­liche Han­dels­menge an F‑Gasen reduziert wer­den. Bis 2030 auf ein Drit­tel, im Ver­glich zum heuti­gen Niveau. Die bish­erige Verord­nung Nr. 842/2006 geht der EU hier nicht weit genug. Ein dur­chaus gravieren­des Prob­lem für Betreiber älter­er Anla­gen, die aus Kosten­grün­den nicht umrüsten wollen oder kön­nen. Die kün­stliche Verk­nap­pung der Gase führt zu Preis­steigerun­gen, welche die Betreiber von beispiel­sweise großen Küh­lanla­gen, wie sie im Lebens­mit­teleinzel­han­del oder Großküchen vorkom­men, nicht auf­fan­gen kön­nen. 2050 sollen die schädlichen F‑Gase um bis zu 78 Prozent gesenkt sein. Dem sukzes­siv­en Ver­bot der Gase müssen aber auch alter­na­tive Geräte und Anla­gen gegenüber­ste­hen. Geräte, die statt mit den schädlichen Gasen auch mit neuen umwelt­fre­undlicheren Alter­na­tiv­en laufen.

Die Indus­trie hat sich im Vor­feld darauf eingestellt und bietet schon jet­zt Alter­na­tiv­en. Denn neu ist das The­ma mit dem Ziel eines völ­li­gen Verzichts auf klim­age­fährdende Gase nicht. Außer­dem kann sich kein Her­steller leis­ten, erst nach ein­er Verord­nung auf Änderun­gen zu reagieren. Wom­it auch die Kom­mis­sion kalkuliert. Daher set­zen die Her­steller von Küh­lanla­gen schon lange auf Ersatzstoffe, die weniger schädlich, aber energieef­fizien­ter sind und die gle­iche Leis­tung gewährleis­ten. Küh­lanla­gen kön­nen schon seit langem mit dem natür­lichen Käl­temit­tel CO2 betrieben wer­den. CO2 ver­fügt neben der gerin­gen Treib­hauswirkung über eine her­vor­ra­gende Energieef­fizienz. Alter­na­tiv wer­den auch Aus­tauschmod­ule ange­boten. Hier ist indi­vidu­ell darauf zu acht­en, ob der Kunde dadurch einen Leis­tungsver­lust erlei­det. Am Ende ist eine Neuan­schaf­fung sicher­lich die beste Alter­na­tive. Nach ersten Ein­schätzun­gen des Han­delsver­band Deutsch­lands (HDE) ist der derzeit­ige Entwurf dur­chaus annehm­bar. Sofern man berück­sichtigt, dass noch weit­ere Entwürfe fol­gen. Der HDE geht davon aus, dass nach­fol­gende Ver­sio­nen zumin­d­est den Einzel­han­del schlechter abschnei­den lassen. Denn schon vor Monat­en gab es einen Entwurf. Diesen hat die Kom­mis­sion zu Gun­sten der aktuellen Ver­sion kor­rigiert. Der dama­lige Entwurf war deut­lich strenger for­muliert. So lag die Zahl der Geräte, die grund­sät­zlich ver­boten wer­den soll­ten, deut­lich höher. Auch sah die EU ein Ver­bot von F‑Gasen in indus­triellen Kühlsys­te­men vor. Aktuell ist dies wegge­fall­en. Wichtig: Solange die Nov­el­lierung der F‑Gase Verord­nung noch nicht abgeschlossen ist, gilt der seit 2006 in Kraft getretene Gesetzestext. 

Die alte und neue Verord­nung sieht ins­beson­dere vor: 

  • Kon­trollen von Käl­tean­la­gen und Kli­maan­la­gen auf Dichtheit durch zer­ti­fiziertes Per­son­al in Abstän­den von 12 Monat­en für Anwen­dun­gen mit min­destens 3 kg flu­o­ri­erten Treib­haus­gasen, 6 Monat­en ab 30 kg und 3 Monat­en ab 300 kg
  • Ab dem 01.01.2015 wird die bish­erige Logik vom 3 / 30 / 300 kg Füll­gewicht auf CO2-Äquiv­a­lent umgestellt (neu)
  • Ver­dop­pelung der Zeitab­stände, falls Leck­age-Erken­nungssys­teme instal­liert sind. Für Anwen­dun­gen ab 300 kg wer­den solche Sys­teme Pflicht
  • Die Dichtheit­sprü­fun­gen von Käl­te­geräten müssen von nun an lück­en­los und über einen Zeitraum von fünf Jahren auf Anfrage nachgewiesen wer­den (neu)
  • Doku­men­ta­tion­spflicht­en für Betreiber von Kälteanlagen
  • Ver­ant­wor­tung der Betreiber von Anla­gen für die Rück­gewin­nung von F‑Gasen durch zer­ti­fiziertes Personal
  • Berichter­stat­tungspflicht­en für die Her­steller von F‑Gasen
  • Ver­bote für die Inverkehrbringung bes­timmter Produkte

Nach § 5 der neuen Verord­nung ist genau fest­gelegt, wer prüfen, instal­lieren und repari­eren darf. Damit enthält die Verord­nung klare Min­destanforderung für Unternehmen und Per­son­al hin­sichtlich ihrer Tätigkeit­en an mit F‑Gas betriebe­nen Anla­gen. Kün­ftig darf nur noch zer­ti­fiziertes und reg­istri­ertes Per­son­al solche Arbeit­en vornehmen. Für Kun­den von GGKA-Fach­be­trieben stellt dies kein Prob­lem dar, denn diese kön­nen in ihrem Ser­vice-Pool auf qual­i­fizierte Kälte- und Kli­mat­e­ch­niker zurückgreifen.

Neue Verord­nung ab 2015 

Seit dem 1. Jan­u­ar 2015 gilt die Verord­nung (EU) Nr. 517/2014 über flu­o­ri­erte Treib­haus­gase. EU-Verord­nun­gen gel­ten direkt, ohne vom nationalen Geset­zge­ber umge­set­zt wer­den zu müssen. Damit ist die alte Verord­nung (EG) Nr. 842/2006 aufge­hoben. Wie auch schon die alte Verord­nung sieht die neuste Fas­sung Ver­bote für das Inverkehrbrin­gen von F‑Gas-halti­gen Pro­duk­ten wie nicht wieder auf­füll­bare Behäl­ter, Brand­schutzsys­teme, Fen­ster und Reifen vor.

Es erfol­gt eine schrit­tweise Reduk­tion (sog. “Phase-Down-Szenario”), der HFKW-Men­gen, die in die EU in Verkehr gebracht wer­den dür­fen. Basis sind die in den Jahren 2009 bis 2012 in der EU hergestell­ten und in die EU einge­führten durch­schnit­tlichen Gesamt­men­gen, aus­ge­drückt in CO2-Äquivalenten.

Mit der neuen F‑Gas-Verord­nung wer­den auch Ver­wen­dungs- und Inverkehrbringungsver­bote erlassen, die ab unter­schiedlichen Zeit­punk­ten gel­ten. Die Ver­wen­dungsver­bote sind in Art. 13 der Verord­nung geregelt, Ver­bote des Inverkehrbrin­gens in Art. 11 in Verbindung mit Anhang III.

Die Anforderun­gen an das “zer­ti­fizierte Per­son­al” sollte schon bei der alten Verord­nung 842/2006 von der EU fest­gelegt wer­den. Dies vol­len­det nun die neue Verord­nung. Bei der alten Fas­sung war ein mehrstu­figes Ver­fahren im Gespräch, je nach Ein­satzge­bi­et der Tech­niker. Damals wie heute gab es aber auch schon über die deutsche Chemikalien-Ozon­schichtverord­nung deutsche Regelun­gen zum Kontrollpersonal.

Den Verord­nung­s­text, ein HDE-Infoblatt und weit­ere Infos find­en GGKA-Mit­glieder im inter­nen Bereich.